Email: foerderverein.talaue@osnanet.de / Tel: 05482-1680

 Veranstaltung:

 

Übergabe der Tagebücher und

Lesung ausgewählter Texte von Friedrich E. Hunsche

und Liederabend

 

am 23. Oktober 2014. 18:30 bis 21:00

in Lengerich-Wechte, Gasthof Prigge - Akademie Talaue

 

Die Tagebücher können jetzt im  Archiv eingesehen werden. Bitte anmelden.

 

Zur Veranstaltung kamen zu unserer großen Freude über 100 Gäste.

 

-  Prof. Eberhardt: Begrüßung                                                                                                            

-  F.-J. Schlie, W. Grothaus: Musik (Gesang und Keyboard).

                             Lied Kipp-Hunsche:„Traure den Dingen nicht nach!“ (Uraufführung, op. H. Kipp 156b)     

-  Prof. Eberhardt: Vorstellung der Vortragenden, Programm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Rückwand der Bühne:

ein Bild von F. E. Hunsche, 1980  

(Foto Hunsche) 

 

 

Vortagende (von links): Irma Eggert, Hanna Schmedt, Prof. Eberhardt (Vorsitzender), Dr. Udo Hunsche  (Foto Reinker)

 

 

Udo Hunsche übergibt am Ende der Veranstltung

die Tagebücher an das Hunsche-Archiv. (Foto Hunsche)

 

Udo Hunsche, Hanna Schmedt bei der Lesung.  (Foto Hunsche)

 

Die kommerzielle Verwendung der Texte von F. E: Hunsche ist nur mit Zustimmung von U. Hunsche gestattet. Bei privater Verwendung bitte wir um den Hinweis: Text von Friedrich E. Hunsche.  Bitte informieren Sie uns.

 

Es folgt der vollständige Text der Veranstaltung

 

U. Hunsche, H. Schmedt, Lesung hochdeutscher und plattdeutscher Texte aus den  Tagebüchern

 

Tagebuch 0

Mein Vater schreibt in seinem Tagebuch:„Ich wurde am 1. September 1905, morgens bei Sonnenaufgang, in der Bauerschaft Aldrup bei Lienen geboren. Meine Eltern wohnten damals zusammen mit den Großeltern väterlicherseits in einem Heuerhause des Bauern Blömker. Ich finde das Haus 1965 noch im Schatten hoher Kastanien und Linden nahe „Kibben Hiemel“.- Im Winter 1973/74 ist mein Geburtshaus abgebrannt.

Im Sommer 1906 bezog meine Familie das neuerworbene Anwesen in der Bauerschaft Meckelwege. Hier in ländlicher Stille und Einsamkeit habe ich meine Jugendzeit verbracht.“      (Tagebuch 0, S.2)  

 

„Erinnerungen an Ostereiersuchen und Weihnachtsgeschenke, an Sommersonne und Schneetreiben, an Tannenduft und Insektensummen in der einsamen Meckelweger Heide gehören deutlich zu meiner frühen Jugend. Und wenn ich jetzt einmal durch einen duftenden Tannenwald mit blühendem Heidekraut wandere, fühle ich mich sehr lebhaft in meine Jugendzeit zurückversetzt, denke an Bienen- und Hummelsummen und an das Surren der Fliegen und an den warmen weißen Sand der einsamen Feldwege. Schön war’s mit bloßen Füßen durch den warmen, rieselnden Sand zu wandern! Oder im Heidekraut zu liegen und zum blauen Himmel emporzuschauen und in den weißen Wolken dort oben wunderliche Gestalten zu sehen.“      (0, S. 7)

 

So kannte man ihn: ein freundlicher Herr, hier auf dem Bild mit 75 Jahren.

Er hat 21 Tagebücher von 1932 bis 1993 geschrieben – 61 Jahre und über 5 000 (genau 5695) Seiten. Dieser eben gelesene Text ist der Beginn seines Tagebuchs 0, in welchem er nachträglich sein Leben von der Geburt 1905 bis zum Jahr 1932 darstellt. Hinzu kommt noch ein Extrabuch über den 2. Weltkrieg. Wir werden nur aus der frühen Zeit lesen, von 1905 bis 1934. Wir laden Sie ein, in das „Leben und Denken“ – das Motto der Tagebücher -  von F. E. Hunsche einzutauchen. Zunächst lesen wir Passagen aus den Tagebüchern, dann hochdeutsche und plattdeutsche Texte. Wir möchten, dass Sie Lust auf mehr bekommen und selbst lesen.

Eines interessiert mich:„Wer hier im Publikum hat meinen Vater persönlich erlebt?“

 

Er schreibt:„Ostern 1911, fünfeinhalb Jahre alt, kam ich zur Schule, die ungefähr einen Kilometer weit vom elterlichen Hause mitten in der Heide lag. Es war die alte Meckelweger Schule, die schon vor 1800 errichtet worden war und damals, wie es in amtlichen Akten heißt, eine Musterschule sein sollte. Es war ein einfacher Fachwerkbau mit einem kleinen Vorraum, in dem eine Pumpe stand. Der Unterrichtsraum nahm das übrige Gebäude ein. In der Mitte des Raumes stand ein hoher eiserner Ofen, der im Winter nur spärlich den großen Raum erwärmte. Hier saßen bis zu 120 Schüler, die von Lehrer Jasperbrinkmann unterrichte wurden.“    (0, S. 12)

„Auf meinem ersten Gang zur Schule setzte ich an Mutters Hand meine Füße auf den Weg, der mich in das geheimnisvolle Land des Wissens und Welterlebens führen sollte.“    (0, S. 12)

„Es war so, daß ich auf dem Schulwege mit Vorliebe an alle Teiche, Tümpel, Bäche und Pfützen ging - was meine Mutter mir streng verboten hatte - und überall, wo sich die Gelegenheit dazu bot, Papierschiffchen aufs Wasser setzte und ihnen nachschaute und nachlief.“

„Später schrieb ich in Erinnerung an meine Schiffchenspiele ein Gedicht:

 

Dat Scheppken

Min Scheppken swömmt; ick kaik em nau.

Et swömmt de Biek‘ hendal.

Ick dacht‘: Et will up’t wide Meer.

De Biek‘ is em to smal.

 

To flaut is em dat Water hier.

In’t Deipe föhrt et snell.

Ick kaik em nau. So stolt un flink

sprüng et van Well‘ to Well‘.

 

Tolest was’t Schepp nich mehr to seihn.

De Bieke ower flaut

dür gröne Wisken, Büsk’ und He’e

bes in dat Auwentraut.

 

Ick dacht‘: Nu is dat Scheppken do,

un klor süht et de Maun‘.

Den ändern Dag, dau fünd ick et:

In’n Dik was’t unnergauhn.“

 

„Im Juli 1914 trat zum ersten Mal ganz bewußt die Geschichte Europas und der weiten Welt in den Kreis meines jugendlichen Denkens. Man sprach von Krieg. Man sah ihm mit Schrecken entgegen.

Deutlich erinnere ich mich noch an die Mobilmachung und den Ausbruch des Krieges Anfang August. Schon Ende Juli, als es hieß, der Eisenbahnverkehr sollte seinen Betrieb für alle zivilen Zwecke einstellen, fuhren alle Leute auf schnellstem Wege in ihre Heimatorte zurück. Auch mein Vater spannte unseren braunen Max vor den Wagen, um unsere Osnabrücker Vettern, die – wie fast jeden Sommer – bei uns in Meckelwege ihre Schulferien verbrachten, zum Bahnhof Kattenvenne zu bringen, damit sie rechtzeitig nach Hause kamen.“       

„Auf dem Bahnhof in Kattenvenne begrüßten und beschenkten wir einige Tage nach Kriegsbeginn mit der ganzen Schule die ersten zur Front nach Frankreich fahrenden Truppenzüge. Die Eisenbahnzüge waren mit Kreide bemalt und beschrieben: „Nach Paris! Siegreich wollen wir Frankreich schlagen!““           (0, S. 19)

Und ein paar Seiten weiter:„Im Herbst 1916 zog mein Vater in den Krieg. Er war damals 40 Jahre alt und vorher nie Soldat gewesen.

Im Sommer darauf, wie auch in den folgenden Kriegsjahren, betätigten wir Kinder uns alle eifrig als Sammler. Wir sammelten, vormittags mit der ganzen Schule und nachmittags zu Hause, „Laubheu“ für die Pferde der Soldaten, vor allem Buchenlaub. Das Laub wurde getrocknet, in Säcke gestopft und verschickt.“         

F. E. Hunsche schreibt auch ausführlich von den Hamsterern aus dem Ruhrgebiet, die in großen Scharen selbst nach Meckelwege kamen.            (0, S. 21)

 

Er kauft sich 1917 einen vom Vetter August Pottebaum selbst gebauten Fotoapparat, erstellt damit Passfotos, verdient Geld, kauft Bücher. Da ist er 12 Jahre alt.

„Alle staunten, daß meine Apparate funktionierten; aber mitmachen wollte keiner. Ich aber blieb meinen Lieblingsbeschäftigungen treu; wurde sozusagen eine stiller Einspänner, der schon damals einsam seinen eigenen Gedanken nachging und schließlich auf die Idee kam, Märchen zu schreiben. Dabei merkte ich, daß das gar nicht so schwer war. Meine Phantasie ließ ihr Spinnrädchen laufen; ich brauchte nur niederzuschreiben, was sie mir zuflüsterte.“           (0, S. 24)

„Die Zeit des Krieges und auch noch etliche Jahre nach dem Kriege waren allenthalben Notzeiten. Fast in jedem Haus hielt man wieder Schafe, deren Wolle auf Spinnrädern zu Garn gesponnen wurde. Das war seit Jahrzehnten nicht mehr üblich gewesen. Die wurmstichigen Haspel und Spinnräder taten noch ihren Dienst, nachdem man sie entstaubt und wieder instand gesetzt hatte.

Im Nachbarhause Brauntmeier stand der alte Webstuhl wieder in der Stube, „Onkel Heinrich“ ließ darauf das Schiffchen meisterhaft hin und her springen und war stolz darauf, daß er das Spinnen und Weben mit seinen 70 Jahren noch nicht verlernt hatte.“        (0, S. 26)

Sein Schulabschluss war 1919. Er geht zunächst zur Landwirtschaftlichen Abendschule bei seinem alten Lehrer Jasperbrinkmann

 

Er beginnt, Weltliteratur zu lesen: Peter Rosegger, Helen Keller, Theodor Storm. So kenne ich ihn: täglich lesend – mit dem Bleistift in der Hand – wie auf dem Bild.

 

 

Er schreibt:„Pfingsten 1920 begann ein neuer Abschnitt meines Lebens: Lehrling in der Schlosserei und Schmiede Achelpohl in Lienen. Am ersten Tag ging ich zu Fuß den Weg von Meckelwege nach Lienen, durch den Flaken, den Tannenkamp und dann weiter auf der Straße dem Dorf entgegen. An jenem Tag fühlte ich, daß das Leben etwas Neues mit mir vorhatte, daß hinter mir etwas versank, die sorglose Zeit der Jugend, und vor mir ein Tor sich auftat, hinter dem eine noch ungeklärte Welt mit vielen Fragen aufstand, dem jungen Morgen ähnlich, in den ich allein und einsam hineinschritt.

In der Achelpohlschen Werkstatt wurde nun ein altes Fahrrad für mich zurechtgemacht, so daß ich täglich morgens den weiten Weg von Meckelwege nach Lienen fahren konnte. Morgens um sechs Uhr wurde ich jetzt Tag für Tag geweckt; denn um sieben Uhr mußte ich schon in Lienen sein.

Mit dem Glockenläuten am Abend war Feierabend; das war im Sommer zwischen 19 und 20 Uhr. Das war ein langer Arbeitstag, und auch sonnabends mußte bis abends gearbeitet werden.“    (0, S. 30)

„In der Achelpohlsche Werkstatt wurde noch wie in alten Zeiten gearbeitet. Alle Werkzeuge und Maschinen, die da waren, mußten ausnahmslos mit menschlicher Muskelkraft bedient werden: der Blasebalg, die Bohrmaschine, die große Blechschere, die Stanze, die Drehbank, der Schleifstein. Es gab dort keinen Elektromotor und keine andere Kraftmaschine. Auch ein Schweißapparat war noch nicht vorhanden. Zum Schweißen gab es das Feuer auf der Esse und zum Hartlöten eine Lötlampe.

Lehrgeld brauchte ich nicht zu bezahlen – aber Lohn gab es auch nicht.“              

Stolz berichtet er, dass sie regelmäßig den Stromgenerator der örtlichen Stromversorgung repariert haben, den der Müller Hermann Kriege betrieb.    (0, S. 32)

 

Schlie, Grothaus: LIED

 

Insgesamt war die Arbeit sehr schwer für ihn und er war immer wieder krank. Die Statur eines Schmiedes hatte er ja auch wirklich nicht. Dennoch lernte er daneben wie besessen Englisch, Italienisch, Stenografie, Malerei, später auch Esperanto und Latein. 1923 brach er nach 3 Jahren die Lehre kurz vor Ende ab.

Das war seine Befreiung, er wurde sehr kreativ – schreibt sogleich Gedichte und Texte. Bemerkenswert ist: seine Eltern haben immer mitgespielt. Allerdings ist er allein mit seinen Interessen: die „bittersüße Einsamkeit“ macht ihm sehr zu schaffen.

1925 schreibt er darüber ein Gedicht. Die letzte Strophe lautet:

 

„Der Tag versinkt; die Nacht vergeht. 

Wer weiß, was morgen ist.

Nur eines währt durch Tag und Nacht:

Daß du vereinsamt bist.“

(aus dem Gedichtband Gedichte und Balladen, S. 7, gedruckt 1935)

 

1924 wurde sein erstes Buch gedruckt: „Ein Schwur. Eine Erzählung“, gedruckt im Xenien-Verlag in Leipzig. Wir haben es kürzlich im Staatsarchiv in Leipzig wiederentdeckt. Hier ist es!         

Mich beindruckt die romantische Sprache des 18-jährigen. Die ersten Zeilen lauten:

„Hohe Eichen reckten sich wuchtig und stark in die Frühlingsluft hinaus, beschützten und beschatteten das vom Moos bedeckte Dach eines Bauernhauses, das im romantischen Kranze der heimatlichen Berge lag. Nach einem harten, strengen Winter war es wieder Frühling geworden. Ein süßes Jauchzen ging durch die erwachenden Fluren, das sich nur fühlbar in das Jubeln der Vögel einmischte, die in den Kronen der Bäume ihre Lieder erschallen ließen.“        (Ein Schwur, S. 1).

Regelmäßigen Rundfunk gab es ab Oktober 1923 und er war ab 1924 mit einer langen Antenne und einem Detektor-Radio dabei. Und 1925 wurde tatsächlich eines seiner Gedichte im Radio gelesen. Vergütung: 4,17 Mark.

1925: erste Erforschung der plattdeutschen Sprache, angeregt durch Umfragen für ein Westfälisches Wörterbuch, durchgeführt von Prof. Baader und später Prof. Schulte-Kemminghausen von der Universität Münster. Das plattdeutsche Wörterbuch wurde übrigens 1973 gedruckt.

Wieder entsteht ein Gedicht:

 

„Hiärwst

De ersten Bliär‘ fallt sachte van de Linnen

Un loat sich möde dal up Wisk un Patt.

Un van de swanken Spiers verspinnt de Spinnen

viel‘ sülwern Fiämkes öwer Strunk un Blatt.

 

Hell ut de Büske tüsken Kamp un Goa’ren

löcht’t oll de Vuegelbieren rip un raut.

De Töüger briäket baul‘, de vullen swoaren;

se stüdd’t enänner in de stillen Naut.

 

Sacht öwer’n Hiemel trecket ene Wolke

so witt os Snei; se trecket graut un kloar.

Se speigelt sick in’t Water van den Kolke.

Baul‘ kümmt de Sturm un springt iähr in dat Hoar.

 

De Welt wird lieg. Ick hör‘ den Diärkser susen,

wu he dat Kören ut de Garven slück‘.

De Suemer stärw. De Busk werd bunt mit Brusen.

Os alle Bloumenpracht verlöüt auk mi dat Glück“

 (0, S. 43)

 

Ab 1926 verfasst er plattdeutsche Geschichten für die Zeitung – viele Jahrzehnte lang. Die 10 gelben Bücher mit diesen Geschichten kennen viele hier im Raum. 

In Fernkursen lernt er das Dichten mit allen Versmaßen und 1935 wurde das erste Gedichte-Bändchen gedruckt: „Gedichte und Balladen“.                         (Zeigen)

 

In den Tagebüchern 1 und 2 schreibt mein Vater viele philosophische, politische und naturwissenschaftliche Gedanken auf, z. B. wie eine gute Politik aussehen sollte. Später berichtet er zunehmend auch über aktuelle Politik, Tagesereignisse, Freunde, Familie, 2. Weltkrieg.

 

„Tagebuch 1“

Aus dem Vorwort (später von ihm geschrieben beim erneuten Lesen):

„Mit zum Schönsten, das der Mensch auf seiner Lebensfahrt sammeln und mitnehmen kann, gehören die Erinnerungen und Erlebnisse. Zwar versinkt so manches Erlebte im Ungenannten, fällt aus unserem Bewußtsein in das Vergessen; aber das Wesentliche, das unser Leben geformt und in seiner Richtung bestimmt hat, bleibt in uns haften und tritt wieder in das Licht des Bewußtseins, wenn wir uns in stillen Stunden, rückschauend und Klarheit suchend, damit beschäftigen.“    

Wahrhaftig ein guter Grund, ein Tagebuch zu schreiben!   (1, S. 1)

 

Er macht sich Gedanken über Naturwissenschaft:„Alles menschliche Wissen bleibt unvollkommen, alle Wissenschaften sind Stückwerke, die, wenn sie auch in größter Sachlichkeit zusammengefügt werden, niemals ein umfassendes Abbild des kosmischen wie des irdischen Lebens geben können. „Es gibt mehr Ding‘ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt!“ So läßt Shakespeare seinen Hamlet künden, und wir können nichts anderes tun, als ein Ausrufungszeichen hinter diesen Satz zu setzen, der vielleicht unsterblicher ist als Einsteins Relativitätstheorie.“      (1, S. 68)

 

30. Januar 1933: Hitler wird Reichskanzler: Der Politische Umschwung mit all seinen Folgen.

Am 8. März 1933 dann sehr politische Worte:„In Deutschland hat die „nationale Welle“ in fünf Wochen das lecke Boot demokratischer Volksführung zerschlagen. Die schwarzrotgoldenen Fahnen brennen. Eine neue Zeit steigt vor dem zerborstenen weltpolitischen Himmel herauf. Neue Fahnen wehen auf staatlichen Gebäuden. Das Hakenkreuz hat seine Herrschaft angetreten. Man hört diktatorisches Gerassel und horcht auf das Knistern im Gebälke ringsum. Wird eine Flamme hochschlagen? – Bürgerkrieg! Bruder gegen Bruder, Freund gegen Freund?“         (1, S. 41)

24. April 1933: „Sehr leicht verliert der Mensch in unserer Zeit den Schlüssel zum Geheimfache des eigenen Innersten, denn das Leben ist zu sehr mit nebensächlichen Dingen verbaut.“      (1, S. 103)

Er fährt – wie schon 1927 – im Mai 1933 nach Köln zu Prof. von der Leyen, um dort weiter Germanistik zu studieren. Nach drei Monaten ist er wieder zu Hause.            

Warum? „Ich bin wieder in meiner Heimat. Immer klarer erkenne ich, daß das ständige Leben in der Stadt für mich unerträglich sein würde. Der innere Mensch will die Freiheit der Natur. In den Labyrinthen der Städte nistet der Untergang. Schöpferische Fülle gibt es nur in der freien Natur.“                   (1, S. 147 – 148 und 306)

 

„Tagebuch 2“

Er schreibt jetzt erste Dramen und Romane, meist mit historischem Inhalt. Er ist verzweifelt, denn keiner will sie drucken.              (2, S. 232)

1934 entdeckt er die Ahnenforschung und die Auswanderung für sich, die wichtig für ihn werden, denn sie bringen endlich manchen Dollar in die Kasse.     (2, S. 246)

Er mahnt uns:„Bilder der Ahnen sind Gleichnisse unseres eigenen Lebens. Lasst uns sie hüten als ein kostbares Gut.“                                     (2, S. 351)

Und wieder ein Gedicht:

 

„Ahnenkette  

In einer langen Kette eingeschlossen,

fest Glied an Glied gefügt zu einem Ring,

lebt jeder Mensch vom Erbe seiner Ahnen,

auch wenn ein jeder eigne Wege ging.

 

In diese Welt tief schicksalhaft geboren,

glüh’n du und ich als Fünklein in der Zeit

und suchen, was im Dämmern wir verloren

vom wahren Wesen der Vergangenheit.

 

Aus Staub gekommen, kehren wir zum Staube,

zum Weltgeheimnis alles Seins zurück,

und doch wird eines nach uns weiterleben:

das Kommende, der Zukunft Not und Glück.

 

Was wir gedacht, gewollt, geschaffen haben

dringt über unsern Lebensring hinaus,

beschenkt die Kinder noch mit unsern Gaben

und baut den Kindeskindern noch das Haus.

 

Wenn wir das eigne Leben recht gestalten,

nicht tatenlos vor unserm Schöpfer steh’n,

kann unsre Ahnenkette nie zerbrechen,

und nichts von unserm Wesen untergeh’n.

 

Fest Glied an Glied ins Werden eingeschlossen,

entfliehen wir dem Raum und auch der Zeit.

Wir sind die Tropfen, die ins Meer geflossen,

und strömen weiter in die Ewigkeit.“

(S. 86, in: Unsere Ahnen)

 

Hier endet unsere Lesung aus den Tagebüchern.

60 Jahre später, im März 1993, sind meine Eltern ins Seniorenheim zu uns nach Isernhagen umgezogen. Damals haben sie einen Abschiedsbrief geschrieben, aus dem ich abschließend lesen möchte:

 

„Liebe Verwandte und Freunde!

Nach längeren Überlegungen und Vorbereitungen haben wir uns entschlossen, Ibbenbüren zu verlassen und in Isernhagen im Seniorenheim eine neue Altersbleibe in der Nähe unseres Sohnes und seiner Familie zu finden. Der Entschluß, von Westfalen nach Niedersachsen sozusagen auszuwandern, war nicht leicht.

Es ist hier alles schön eingerichtet und die Betreuung und Verpflegung sind sehr gut. Wir haben ein schönes Zimmer mit Tür zur Terrasse – aber was ist dies gegen das große Heimweh nach Westfalen, das uns befallen hat.

Wir hoffen aber, daß wir auch damit fertig werden; und unsere Verbindungen zur alten Heimat sollen nicht abreißen. Denkt bisweilen an uns, schreibt uns, telefoniert oder besucht uns. Wir werden nach unseren Möglichkeiten das unsere tun.

Nun lebt wohl und bleibt mit uns die „Alten“!

Herzliche Grüße

Fritz und Frieda Hunsche“

 

 

Das Publikum.  (Foto Hunsche)

 

 

Schlie, Grothaus: Lied: in einem kühlen Grunde.    (Foto Hunsche)

 

Irma Eggert und Christa Müller beim Vortrag.     (Foto Hunsche)

 

 

Wechsel der Vortragenden

Hochdeutsche Texte: Frau Müller   -   plattdeutsche Texte: Frau Eggert

 

Wir können natürlich in unserem heutigen Programm nur kurze Einblicke in die Vielseitigkeit F. E. Hunsches geben und beginnen mit der Frage nach dem Wesentlichen, der Wahrheit, die er in und hinter vielen Dingen findet.

 

Die plattdeutschen Gedichte stammen aus den 10 Bänden „Plattdeutsche Geschichten“, die hochdeutschen Gedichte und Aphorismen weitgehend aus dem Band „Ausgewählte Gedichte“, 1980

 

„Bloumenleiwe

Bloumen an den Wiäge –

de blögget för di.

Se blögget nich lange.

Kumm, fröwwe di!

 

Wu lange de Sünne

dat Blöggen beschinnt –

dat drawst du nich fraugen.

Wicker swigg, de winnt.

 

Auk du bist ‘ne Bloume,

min leiw lüttk Wicht,

wu gaww‘ auk verwiekelt

dat finste Gesicht.

 

Un bist du verwiekelt –

wenn Leiw‘ in us is,

dann bliewst du ’ne Bloume,

dat is gewiß.“

---

„Zünd an ein Licht

Zünd an ein Licht,

daß Freunde dich erkennen!

Daß du nicht einsam lebst in dunkler Welt.

Denn nur im Raume,

wo helle Lichter brennen,

lernt man einander lieben

und sich selber kennen.

 

Zünd an ein Licht,

trags’s auf den höchsten Hügel,

daß unsre Welt ein wenig

heller sei!

Und daß sich ganz entfalten

Unsre Flügel,

bevor die Frist des Lebens

huscht vorbei.“

---

„Das Wahre ist niemals

abhängig vom Scheinbaren.

Das Unscheinbare kann

ein Großes sein

und wahr.

Das Unwahre ist immer

scheinbar uns sinnlos

und niemals groß.“

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„Zu dem, was Wahrheit ist, muß man sich bekennen,

wie es auch sei dem Menschen eingeboren.

Was Torheit ist, muß man auch Torheit nennen,

sonst hat das Menschsein seinen Sinn verloren.

Wer Wahrheit tötet, wird daran verbrennen.“

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„Ein so konsequenter Blick auf die Wahrheit führt dazu, daß der Autor manche moderne Entwicklung recht kritisch betrachtet.“

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„Ein technisch überperfektioniertes Leben würde den Menschen in eine tödliche Primitivität stürzen, die zur Unmenschlichkeit und zum völligen Verfall aller ethischen Bindungen führen müßte.“

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„Je mehr Wohlleben und Sattheit sich breitmachen, desto hohler und träger ist der innere Klang. Die Seele, das Bewußtsein des Menschen bedürfen nicht der äußeren Fülle, sondern nur des Notwendigen um klar und wahr zu sein, und allein das ausgeführte Notwendige ist Maßstab der Lebenstauglichkeit und der positiven Leistungen des Menschen.“

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„Unsere Lebenszeit sollte uns zu kostbar sein, als daß wir Dingen nachlaufen, die im Grunde sinnlos sind. „

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F. E. Hunsche sieht es auch in unserer Zeit, in der fast alles an der schönen Fassade zu hängen scheint, als unsere Aufgabe an, zu uns selbst zu finden, und – eingespannt zwischen den Polen von Himmel und Erde, Wahrheit und Schein, Reife und Orientierungslosigkeit – in all dem unseren Weg zu finden.“

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„Wir leben zu arm aus Fremdem,

erkennen nicht mehr, was wir sind.

Wir suchen das Heil in der Ferne

und stehen vor Nahem blind.

Wir bewundern den Glanz der Fassade,

als wäre der Schein unser Glück.

Den Kern des Wesens zu fassen,

davor scheut mancher zurück.“

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„Weisheit kriecht wie eine Schnecke.

Dummheit kriecht wie eine Quecke.

Mit der Schnelle von Raketen

sieht Böses man in Wirkung treten.

 

Wo es auch sei in der Natur,

der Mensch beweist mit seiner Spur,

daß er sein Ziel noch nicht versteht

und falsch am Rad der Schöpfung dreht.“

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„Zwischen Erde und Sternen

Schau ich die Erde an,

weiß ich, daß Sterben mein.

Schau ich die Sterne an,

Fühl‘ ich – mußt zeitlos sein.

 

So zwischen Geistwelt und Not,

zwischen Himmel und Grab,

flieg‘ ich als Fünklein hinauf,

sink‘ ich als Stäublein herab.“

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„Tüsken Erde un Stären

Kikst du Erde an,

weißt du, dat Stiärwen din.

Sühst du de Stären an,

föhlst du – moßt ewig sin.

 

Sau in Lechtsinn un Naut,

tüsken Sünne un Graw,

flügst du os Funken herup,

fällst auk os Erde heraf.“

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Lied

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„Nicht die Masse formt das Leben.

Nur das Maß kann Leben geben

und die Dinge so gestalten –

trotz Verhängnis und Gewalten -,

daß sie frei zum Ganzen streben

und des Ganzen Bild erhalten.“

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„Der Kiesel im Bach ist ein Beispiel verschönten Lebens.

Gewälzt durch Jahrtausende von schleifendem Ungemach,

erhielt es die Glätte, das Schöne einer vollendeten Form.

Nicht anders ist’s mit den Menschen:

„Im Strome des Lebens finden auch sie ihre Form;

Wie sie auch sei – nichts lebte vergebens“

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„Mottendanß                                  

Motten danßet üm de Lampen,

sett’t up Toaren sick un Tampen,

loat sick scheiten rüggerisk

up de Böüker, up den Disk.

Un nu geiht et do an’t Spöüken

an’t Verbiestern un Sick-Söüken.

Üm den swatten Enketpott

Geiht et haar un geit et hott,

bes ick, möde van de Sake,

alle Lampen düster make.

Dann is rask dat Spell vörbi.

God, sind Mensken mohr för di?---„   nach hinten!

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„Wir können aber den besseren Weg verfehlen – blind für die Welt – vergebens nach den Sternen greifen.“

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Vergänglichkeit

Kein Name bleibt; die Titel sterben.

Es lebt nur, was dein Wirken war.

Du kannst der Nachwelt nur vererben,

was still vermehrt du Jahr um Jahr.

 

Und wär die ganze Welt dein eigen,

das ganze Geld und was es sei,

die Nachwelt wird sich nicht verneigen

vor dir und deiner Eselei.

 

Sie wird vielleicht Erinnern zeigen

In diesem oder jenem Jahr.

Am Ende wird man nur noch schätzen,

was wesenhaft im Ganzen war.“

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PAUSE

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In diesem zweiten Teil stellen wir Beispiele dafür vor, daß F. E. Hunsche offene Augen und ein offenes Herz für die Welt und die Natur um ihn herum hatte.

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An der Wasserburg – Haus Marck

    Septemberabend spät.

    Vom Himmel hängt  

    Das Schattenkleid der Nacht

    Aufs Land hernieder.

    Ein kühler Hauch umfängt die Glieder

    Und immer ernster, stiller wird die Nacht.

Das alte Tor schwer überspannt den Weg.

Ein Zittern flüstert schläfrig in den Bäumen.

Das Wasser um die Burg spielt feierlich

Im Lampenlicht, das dringt aus alten Räumen.

Ein tiefes Ahnen dämmert ins Gemüt.

So kann zum Beten man die Hände falten.

Ein tot‘ Geschlecht sieht man im Traume walten.

Und Bild um Bild steigt neu dem Geist empor

Im einsamstillen Weiterschreiten.

Es raschelt irgendwo. Das müde Ohr

Hört stolze Ritter durch das Dunkel reiten.“

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„Abend im Frühling

Sinkende Sonne mit singender Amsel,

im waldigen Dämmern glüht es wie Gold.

Lied meiner Seele, wie kann ich es singen

So rein wie das Licht, das über den Himmel rollt?

Still wird der Abend. Die Amsel will schlafen

Und träumen unter dem Mantel der Sterne.

Ich hör nun im Dunkeln mein eigenes Atmen

und singe vom Licht der unendlichen Ferne.“

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"Schwalwentiet

         

 

Gröün un bunt werd et

in Busk un Hiägen.

Sünne schüddet Gold

up He’e un Land.

Swalwen seh‘ ick Lehm

to Neste driägen,

kliwet Klump üm Klümpken

an de Wand.

 

Wu so iämpen is

nu all dat Liäwen,

wenn et Fröüjohr is

in Hoff un Feld.

Auk de Spinnen denkt

an’t Nesterwiäwen,

un de Nachtigall

besingt de Auwendwelt.“

 

 

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„Lichtwunder

Schau da – auf felsenhartem Stein

wächst eine Pflanze wunderbar und fein,

und auf der Pflanze blüht ein Blumenlicht,

als wär’s die Sonne selbst, so leuchtend dicht,

und auf der Blüte bunt ein Schmetterling,

wie ich ihn einst in unserm Garten fing!

Welch tiefer Sinn liegt doch in diesem Bild:

Der Himmel drüber als ein blauer Schild

Umspannt die ganze Welt mit seinem Schein.

Wie könnten wir je ohne Schönheit sein,

wenn wir zerstören, was so schön und bunt

die Kraft des Lebens zaubert aus des Steines Grund.“

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„Seit einer Stunde seh‘ ich zu der Raupe an dem Faden droben.   

Nun endlich merk‘ ich, was sie will –

Sie will nach oben!

Sie krabbelt weiter wie zum Spaß.

Der Faden reißt – sie fällt ins Gras.

Da kriecht sie nun und träumt von oben.

Zu früh fing sie den Flug zum Ziele an.

Sie wird’s erreichen, wenn sie fliegen kann.“

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„Spätsommerabend

Noch einmal ist es schwül.

Die Grille zirpt.

Im Garten pflückt

der Wind die letzten Birnen.

Hoch überm Walt,

wo Licht in Wolken stirbt,

vermählt die Nacht

sich feurig den Gestirnen.

Die Frucht des Sommers

in die Kelter fällt.

Ein Blitz zuckt auf

und flattert an den Wänden.

Ein Donner poltert fern,

am Rand der Welt das Jahr zerbrechend

wie mit Riesenhänden.

Noch einmal ist es schwül.

Das Herz fragt stumm:

Wann werden deine letzten Früchte fallen?

Es schwenkt der Wind.

Der Kirchhahn dreht

Sich nun –

und wie von ferne hör ich Glocken schallen.“

---

„September

Das Jahr will malen

mit bunten Farben

in Feldern und Bäumen

im schweigenden Wald.

Die ersten feurigen Tupfen

im wilden Wein,

an Birken und Linden

brennen über Nacht

ins Grüne gehängt als

warnende Fackeln

für Menschen und Vögel,

Früchte zu sammeln

oder fortzufliegen

in eine anderes Land,

wo die Knospen des Frühlings

in ihren Hüllen erwachen

und auf die Lieder

der Gäste warten

zur fröhlichen Feier des Wiedersehens.

Wer hier bleibt,

muß wissen,

daß alle Dinge sich

wandeln, sich wenden

und wiederkehren –

wie und wohin,

das weiß Niemand.

Aus den frühen Farben

Des Herbstes ist Abschied und Trauer zu lesen.“

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„Im Garten pflückt ich heut‘ die letzen Beeren

und sann dabei dem reifen Leben nach,

wie es sich formt aus Fülle und Entbehren,

in sich verschließend Freud und Ungemach.

Vor Tagen noch war jede Beere sauer.

Rasch reiften sie sich süß im Sonnenschein.

Die letzte Beere pflückt ich ab voll Trauer;

Sie war die köstlichste und süß wie Wein.“

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„Dat Moorlecht

Beßvader strait dür’t wilde Moor,

in de Fust den Eikenstamm.

De Weg was wid. De Nacht was lang.

Dat Wiär was kault un klamm.

 

No Hus hento. Novembersturm

jäg Wolken vör sick hiär.

Beßvader drügg sick up den Stock,

os wör’t en isern Spiär.

 

So düster is’t. Nich Baum of Struk

rundüm is mehr to seihn.

Beßvader stritt dür’t swatte Moor

un föhlt sick arm un klein.

 

Up enmol is de Weg to End’.

Wohen? Wohiär? – En Dik –

so deip un graut dat wide Moor,

os wör’t den Daud sin Rik.

 

Wohiär? Wohen? – In’t Water dukt

de Stock an jede Sit.

Beßvader röpp. Et hört kin Mensk.

Dat duorp ligg no to wid.

 

Wäß nich en Kopp do ut de Erd‘?

Gript Füste nich no mi?

Beßvader dücht et, un he biäd:

„Min God, nu bidd‘ ick di!“

 

Bäßvader töw. Wat töw he no?

Dat Water wölkt un brust.

De natte Daud wöhlt dür dat Moor.

De Wiarwind hült un sust.

 

Beßvader will werr t’rügg dür’t Moor.

Nu sau of sau verluor’n.

Dat Water brust üm Holsk un Knei.

Wör’ et doch baulde Muorn!

 

Up enmol is en Schin to seihn,

erst wid un wänner nauh.

Beßvader stött den Stock in’t Moor

un löpp den Schemmer nau.

 

No Hus! No Hus! Baul‘ is he do.

Dat Moorlecht wis’t den Patt.

Beßvader segg:“ God laun et di!”

Dann brust dat Moor werr swatt.“

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„Gang in den Herbst

Es riecht nach Herbst. Der Sommer ist gegangen.

Die Sonne sagt schon zeitig gute Nacht.

Es ist vorbei mit Schmetterlingen fangen.

Am Waldrand drüben nur ein Specht noch lacht.

Man sagt, das locke Regen auf die Fluren.

So spät im Jahr? Die Zeit scheint einerlei.

Bald sehn wir hier im Schnee schon wieder Spuren.

Rasch naht der Herbst. Der Sommer ist vorbei.

Vorbeigeflogen ist das Jahr auf Flügeln,

die wie von weither strahlten Sonnenpracht,

und was so herrlich war, träumt hinter Hügeln

und wandert mit den Sternen durch die Nacht.

Nun laßt uns schweigen von verstummten Dingen

und warten was nach Tagen sich begibt.

Vielleicht schenkt uns das Schicksal neue Schwingen,

und Hoffnung läßt uns von dem Schönen singen,

von Liebe auch, die uns das Jahr gebracht.

Vor allem laßt uns dieses noch bedenken:

Kein Mensch ist glücklich, wenn er nichts mehr liebt.“

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Lied: Bunt sind schon die Wälder

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Zum Schluß können wir auch noch einen Blick auf die humorvolle Seite des Autors werfen. Und die kommt am deutlichsten – und erst richtig – da zum Tragen, wo er Platt spricht.

Deshalb überlasse ich dem Plattdeutsch auch den Schluß.

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„Ene Müsse vull Prumen

Dat Riäken is ‚ ne swoare Kunst.

Un dat et biäter klappen soll,

siä de Magister to de Blagen:

“Geht, holt mal Pflaumen, eine Mütze voll!“

 

Domit göng dann dat Riäken biäter.

Män os dat Enmoleene halw erst sait,

froagd‘ Hiärmken: Drüew’t wi nu de Prumen iäten?“

Wobi em oll en Stein ut’n Mule glait.

 

De Schouthär siä, dat soll nich scheihn,

nich eher os nau en paar Wiäken;

denn wenn se upegieten wören,

kann doch kin Dummkopp domit riäken.

 

Dat was för Hiärmken nich ganz kloar.

He stellde stur sik up de Beine.

“Dat stimmet nich. Mi dücht, wi küent

Auk ganz guet riäken mit de Steine.“ “

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„De erste Westfale

Dür’t Land, wo’t Speck un Schinken giw,

wo Sturm de sturen Eiken bögg,

göng Christus es mit Petrus einst.

„Wat is dat, Här?“ siä Petrus krög.

„Küent hier nich Mensken liäwen?

Kik es de Esk, de He’e, dat Holt!

Kin Mensk to seihn, de gaiw un stolt

kon för din Rik hier striäwen.

De Piärde un de Kögge dor –

Un kik blaut, Här, is et nich wohr?

Hier mott et änners werden.

Mak, Her, doch enen Mensken

ut düssen Kluten Erden!“

 

De Her wörd ernst un siä blaut düt:

„Ja, wenn di dat nich nich in’t Möggen schütt,

Petrus, stäut du män an den Kluten!“

 

Un Petrus stodde mit Gewolt,.

Os’t Kniätern ut Kanounen slait,

stönd do en Kerl, graut un frait,

so derw os Dörenholt.

 

„Wat stöst du, Buttkopp, mi?“

siä he för gueden Dag un Dank

un strait den Patt no’n Busk entlang.

 

„Min leiwe Här, nu bidd‘ ick di!“

siä Petrus un vergait sick ganz.

„Is dat en unwis gruowen Slanz!“ “

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„Worüme de Westfalen nich in de Hölle kuemet

Ose Jan, de Smed ut Mönster,

slaik sick stillekens ut de Welt,

soll he nich in’n Hiemel kuemen,

nich vör guede Wörd un Geld.

Likeut mit derwe Holsken

strait he hen den Höllenpatt.

Un do konnden se’n woll bruken.

Van dat Böüten kennd’ he wat.

Knapp was he dür’t Dor män schuowen,

kwann dat Höllenhus in Naut.

Tratt he doch mit sine Holsken

alle kleinen Düwels daut.

 

„Hoalt es!“ röüp de graute Düwel.

„Treck doch dine Pümpels ut!“ –

„Do’k nich!“ mende de Westfale.

„Böüt man an din Höllenkrut!

Vör den Smauk sin ick nich bange,

nich vör’t füer un nich vör di.

Goaht mi ut den Weg, gi Äuse!“

Kwäk! Do wören twei werr Bri.-

„Nu hört’t up!“ De Düwel graip sick

Jan bi’n Flunk un smait’n ’rut,

dat he van de Höllenträppen

stüörtede mit so’n Gelud,

os wenn alle Düwels föllen

musedaut in’n Bükefatt.

Un verfährt de Graute dolde:

„Donnersmor, war is denn dat?“

 

Jan mit sine Schellenholsken

slöüg krawanig üm sick to,

bes de Düwel dann an’t leste

krappede de Hölle to.

„Den kann’k hier bi us nich bruken,“

hächede de Düwel heit.

Dobi kuem‘ ick jä os Düwel

wahn verdüwelt no in Sweit.

Kin Westfale sall mi kuemen

hier no öwer’n Suohlenstein.

Pattket jä mit iähre Holsken

minen Husholt kuort un klein.“

 

Sithiär werd de Hölle sluoten,

kümmt do en Westfale an.

Alle möüt se buten bliwen

os de Holskensmed, de Jan.“

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ENDE der Lesung

 

- Udo Hunsche: Dank an alle Beteiligten.

- Übergabe der 23 Tagebücher an das Hunsche-Archiv mit dem Gedicht von F. E: Hunsche:

 

„Was ich gefunden habe,

möcht‘ ich weitergeben

Zwar ist’s nicht viel

und doch ein ganzes Leben.

Was ich gedacht, gefühlt

und liebend auch gewollt,

ich gab‘ es hin.

Nehmt alles – unverzollt.“

(Aus dem Tagebuch 0 „Meine Jugendzeit“)

 

- Schlussworte von Prof. Eberhardt

 

- Über eine Spende oder eine Mitgliedschaft freut sich die gesamte Mannschaft.

 

Schlie. Musik zum Ausklang

ENDE der Veranstaltung